Lignocellulose ist das Baumaterial jedes Baumes und der meisten Pflanzen: Cellulose, Hemicellulose und Lignin. Sie ist der größte erneuerbare Kohlenstoffspeicher an Land, fällt in Europa reichlich als Reststoff an und enthält exakt jene aromatischen und Polyolstrukturen, die die Tensidchemie benötigt. Dass sie Palmöl und Erdöl bisher nicht verdrängt hat, liegt nicht an der Chemie, sondern an der Verfahrensökonomie.
- Bestandteile
- Cellulose, Hemicellulose, Lignin
- Kohlenstoffspeicher
- Größte erneuerbare Quelle an Land
- Flächennutzung
- Reststoffbasiert, keine Nahrungsmittelkonkurrenz
- PureSurf-Maßstab
- 50 kg pro Charge
Was Lignocellulose der Chemie bietet
Cellulose und Hemicellulose sind Polysaccharide und liefern damit zuckerbasierte Polyole, die sich hervorragend als hydrophile Kopfgruppen eignen. Lignin ist ein aromatisches Polymer und damit besonders wertvoll: Es ist eine der wenigen erneuerbaren Quellen für aromatischen Kohlenstoff, den sonst Erdöl bereitstellt.
Diese Kombination bedeutet, dass ein einziger Reststoffstrom beide Hälften eines Amphiphils liefern kann: den wasserliebenden Kopf und, nach geeigneter Umwandlung, das hydrophobe Grundgerüst.
Warum es schwierig ist
Lignocellulose ist bewusst widerstandsfähig. Pflanzen haben sie entwickelt, um mikrobiellem Angriff standzuhalten, und genau diese Widerständigkeit erschwert die Fraktionierung. Die drei Komponenten zu trennen, ohne sie zu zerstören, erfordert selektive Verfahren. Lignin ist zudem strukturell heterogen, was reproduzierbare Synthesen erschwert.
- Widerständigkeit: Die Matrix widersteht milder Fraktionierung.
- Heterogenität: Die Ligninstruktur variiert nach Art und Verfahren.
- Reinheit: Restzucker und Asche beeinflussen die nachgelagerte Katalyse.
- Wirtschaftlichkeit: Der Verfahrensaufwand muss unter dem Produktwert bleiben.
Wie die PureSynth-Plattform damit umgeht
PureSurf betreibt eine katalytische, lösemittelarme Umwandlungsroute, die erneuerbare europäische Bausteine in Tensidaktivsubstanzen mit gesteuerter Kettenlänge und Kopfgruppenchemie überführt. Mehr als 175 neue Verbindungen wurden synthetisiert und gescreent, um jene Typen zu identifizieren, die Leistung mit sauberem toxikologischem Profil verbinden.
Die Plattform wurde in weniger als zwei Jahren von Labormengen auf 50 kg pro Charge skaliert. Die zugrunde liegende Chemie ist durch 4 Patentfamilien in mehr als 8 Jurisdiktionen geschützt, bei geprüfter Handlungsfreiheit.
Was am Ende herauskommt
Das kommerzielle Ergebnis ist NEXOVANT, ein biobasiertes Aminoxid-Tensid mit einer CMC von 80,7 ppm, bis zu 10× niedriger als Referenz-Aminoxide, und bis zu 8× niedrigerer Grenzflächenspannung.
Die Umweltdaten folgen derselben Disziplin: leicht biologisch abbaubar nach OECD 301F (GLP), 14× geringere Gewässertoxizität für F Pro und 57× geringere für F Eco (EC50, Aliivibrio fischeri, ISO 11348-3:2007, 30 min, GLP) sowie bis zu 96 % geringere Algentoxizität. Daneben erreicht RHEOSYL als additivfreier Gelbildner 7,0×10³ mPa·s und SYLVAXIS erfüllt DIN EN 1276, beide derzeit auf TRL 4.
Häufige Fragen
Konkurriert Lignocellulose mit Nahrungspflanzen?
Reststoffbasierte Lignocellulose nicht. Sie nutzt Material, das ohnehin als Nebenprodukt von Forst- und Landwirtschaft anfällt.
Lässt sich Lignin in Tensiden nutzen?
Ja, als erneuerbare Quelle aromatischen Kohlenstoffs. Die strukturelle Heterogenität ist die zentrale technische Herausforderung, weshalb selektive katalytische Umwandlung entscheidend ist.
Wurde das Verfahren über den Labormaßstab hinaus gezeigt?
Es wurde in weniger als zwei Jahren von Labormengen auf 50 kg pro Charge skaliert, gefördert durch einen EIC-Transition-Grant im Rahmen von Horizon Europe (Fördervereinbarung 101058142).















