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Tensid-Glossar
Nachschlagewerk

Die Begriffe, Normen und Abkürzungen aus Tensid-Datenblättern, verständlich erklärt und mit den nötigen Einschränkungen.

Fachlich verantwortlich: Prof. Katalin Barta Weissert, CSO & Mitgründerin · Geprüft von Markus Köck · Letzte Prüfung:

Tensid-Dokumentation ist dicht an Abkürzungen, und derselbe Begriff wiegt in einer Werbeaussage anders als in einem Studienbericht. Dieses Glossar definiert die auf der PureSurf-Website und in den Datenblättern verwendete Terminologie, nennt die herausgebende Stelle jeder Norm und weist auf Begriffe hin, die häufig überdehnt werden.

Hinweise zur Nutzung

Die Begriffe sind thematisch geordnet: Molekülstruktur, Leistungskennzahlen, Abbaubarkeit, Ökotoxizität, Humantoxikologie, Regulatorik sowie Reifegrad und Lieferung. Nutzen Sie die Suche zum Filtern oder die Gruppenlinks zum Springen.

Wo ein Begriff eine formale Norm bezeichnet, sind herausgebende Stelle und Nummer angegeben. Wo ein Begriff im Marketing regelmäßig gedehnt wird, sagt die Definition auch, was er nicht bedeutet. Produktspezifische Zahlen stehen auf der Seite mit den technischen Daten, damit aus einer Definition nie eine veraltete Aussage wird.

Molekülstruktur und Chemie

Amphiphil
Ein Molekül mit einem wasseranziehenden (hydrophilen) und einem wasserabweisenden (hydrophoben) Teil. Alle Tenside sind Amphiphile.
Tensid
Grenzflächenaktiver Stoff. Ein Molekül, das sich an Grenzflächen anreichert und die Oberflächen- oder Grenzflächenspannung senkt.
Mizelle
Kugelförmiges Aggregat aus Tensidmolekülen mit hydrophoben Schwänzen innen und hydrophilen Köpfen außen, das sich oberhalb der CMC bildet.
Aminoxid
Nichtionische Tensidklasse mit oxidierter tertiärer Aminkopfgruppe. Starke Fettlösung, guter Schaum und Mildheit, im sauren Bereich kationischer Charakter.
Amin-N-oxid
Die formale Bezeichnung der oxidierten tertiären Aminkopfgruppe, die die Aminoxidklasse definiert. In der chemischen Nomenklatur gebräuchlich, kommerziell spricht man von Aminoxid.
Nichtionisches Tensid
Ein Tensid ohne Nettoladung an der Kopfgruppe. Tolerant gegenüber hartem Wasser und Elektrolyten, in der Regel geringes Reizpotenzial.
Anionisches Tensid
Ein Tensid mit negativ geladener Kopfgruppe, etwa LAS oder SLES. Hohe Schaumkraft und Waschleistung, empfindlich gegenüber Wasserhärte.
Kationisches Tensid
Ein Tensid mit positiver Ladung, eingesetzt zur Weichspülung und für antimikrobielle Wirkung. In der Regel aquatisch toxischer als nichtionische Tenside.
Amphoteres Tensid
Ein Tensid, dessen Ladung vom pH-Wert abhängt, etwa Betaine. Häufig als mildes Co-Tensid eingesetzt.
Alkylkettenlänge
Die Anzahl der Kohlenstoffatome im hydrophoben Schwanz, zum Beispiel C12 oder C14. Sie bestimmt Löslichkeit, Schaum, CMC und Toxizität. Zwei Typen derselben Chemie können sich allein dadurch stark unterscheiden.
Furan
Ein fünfgliedriger aromatischer Ring mit einem Sauerstoffatom, zugänglich aus Kohlenhydratrohstoffen. Er bildet den erneuerbaren Kern der NEXOVANT-Strukturen.
Lignocellulose
Das Strukturmaterial von Pflanzen aus Lignin, Cellulose und Hemicellulose. Eine nicht mit Nahrungsmitteln konkurrierende Quelle erneuerbarer aromatischer und kohlenhydratbasierter Bausteine.
Gelbildner
Ein Stoff, der Viskosität und Struktur in einer Flüssigkeit aufbaut, oft in geringer Konzentration und ohne konventionelle polymere Verdicker.
Biobasiert
Bezeichnet Kohlenstoff aus erneuerbarer Biomasse statt aus Erdöl. Über Herstellungsweg, Toxizität oder Abbaubarkeit des Moleküls sagt der Begriff nichts aus.
Biotensid
Ein biologisch, meist durch mikrobielle Fermentation erzeugtes Tensid. Jedes Biotensid ist biobasiert, aber nicht jedes biobasierte Tensid ist ein Biotensid.
Drop-in-Ersatz
Ein Inhaltsstoff, der einen etablierten Rohstoff ohne Prozess- oder Rezepturumstellung ersetzt. Die Verträglichkeit sollte dennoch im eigenen System geprüft werden.

Leistungskennzahlen

CMC
Kritische Mizellbildungskonzentration: die Konzentration, ab der sich Mizellen bilden. Eine niedrigere CMC bedeutet dieselbe Wirkung bei geringerer Dosierung. Bei Aminoxiden ist die CMC stark pH-abhängig; ohne Angabe des Prüf-pH ist sie nicht vergleichbar.
Oberflächenspannung
Die Energie an der Grenzfläche Flüssigkeit / Luft in mN/m. Niedrigere Werte bedeuten bessere Benetzung. Üblich gemessen nach EN 14370 bei definierter Konzentration.
Grenzflächenspannung (IFT)
Die Energie an der Grenze zweier nicht mischbarer Flüssigkeiten. Niedrigere Werte erleichtern das Emulgieren. Der Wert hängt von der Ölphase ab und ist nur mit deren Angabe aussagekräftig.
HLB
Hydrophilic-Lipophilic Balance: eine Zahlenskala, die angibt, ob ein Tensid Öl-in-Wasser- oder Wasser-in-Öl-Systeme begünstigt.
Trübungspunkt
Die Temperatur, bei der eine Lösung eines nichtionischen Tensids trüb wird, weil die Löslichkeit abnimmt. Gemessen nach EN 1890.
Schaumvermögen
Das in einem definierten Test erzeugte Schaumvolumen, üblich nach EN 12728 (Ross-Miles). Anzugeben mit Konzentration und Drainageverhalten.
Viskosität
Fließwiderstand, in mPa·s (dynamisch) oder mm²/s (kinematisch). Immer scherraten- und temperaturabhängig, beides gehört zur Zahl.
log Kow
Octanol-Wasser-Verteilungskoeffizient, ein Maß dafür, wie stark ein Stoff sich in Fett statt in Wasser verteilt. Hohe Werte deuten auf Bioakkumulationspotenzial hin. Häufig berechnet statt gemessen; die Methode gehört angegeben.
Referenz (Benchmark)
Das etablierte Produkt, mit dem ein neues Material verglichen wird. Ein Vergleich ist nur aussagekräftig, wenn Referenz, Methode und Bedingungen genannt sind.

Biologische Abbaubarkeit

Leichte biologische Abbaubarkeit
Die strenge OECD-Kategorie: 60 % Sauerstoffbedarf oder CO2-Entwicklung beziehungsweise 70 % DOC-Abbau innerhalb von 28 Tagen und innerhalb eines 10-Tage-Fensters ab Erreichen von 10 % Abbau.
Inhärente Abbaubarkeit
Der Nachweis, dass ein Stoff unter günstigen Bedingungen abgebaut werden kann, ohne die Kriterien der leichten Abbaubarkeit zu erfüllen. Eine schwächere Aussage.
Vollständiger biologischer Abbau
Vollständige Mineralisierung zu Kohlendioxid, Wasser, Mineralsalzen und Biomasse. Das Kriterium der EU-Detergenzienverordnung: 60 % in 28 Tagen, ohne 10-Tage-Fenster.
OECD 301
Eine Reihe von sechs Screeningtests zur leichten Abbaubarkeit, 301A bis 301F. Derselbe Stoff kann eine Methode bestehen und eine andere nicht; die Methode gehört daher immer zum Ergebnis.
OECD 301B
Der CO2-Entwicklungstest (modifizierter Sturm-Test). Gemessen wird das durch mikrobiellen Abbau freigesetzte Kohlendioxid, angegeben als Prozentsatz des theoretischen Maximums (ThCO2).
OECD 301F
Der manometrische Respirometrietest. Gemessen wird der beim Abbau verbrauchte Sauerstoff, angegeben als Prozentsatz des theoretischen Sauerstoffbedarfs (ThOD).
ThOD
Theoretischer Sauerstoffbedarf: der Sauerstoff, der für die vollständige Oxidation eines Stoffes nötig ist. Bei stickstoffhaltigen Stoffen auf Ammonium- oder Nitratbasis berechenbar, mit unterschiedlichen Prozentwerten.
ThCO2
Theoretisches Kohlendioxid: die CO2-Menge bei vollständiger Mineralisierung. Bezugsgröße in OECD 301B.
10-Tage-Fenster
Die Anforderung, 60 % oder 70 % Abbau innerhalb von 10 Tagen nach Überschreiten von 10 % zu erreichen. Gilt für die leichte Abbaubarkeit nach OECD, nicht für die EU-Detergenzienverordnung.

Ökotoxizität und Umweltverhalten

EC50
Die Konzentration, die in einer definierten Testpopulation eine 50-prozentige Wirkung auslöst. Ein höherer EC50-Wert bedeutet geringere Toxizität. Über Arten oder Testdauern hinweg nicht vergleichbar.
LC50
Die Konzentration, die für 50 % einer Testpopulation letal ist, typischerweise bei Fischen und anderen Tieren verwendet.
NOEC
No Observed Effect Concentration: die höchste geprüfte Konzentration ohne statistisch signifikanten Effekt.
OECD 201
Wachstumshemmtest an Süßwasseralgen und Cyanobakterien, 72 h. Algen sind bei Tensiden meist die empfindlichste trophische Stufe, weshalb dieser Endpunkt oft die Einstufung bestimmt.
OECD 202
Akuter Immobilisationstest an Daphnia sp., 48 h. Der Krebstier-Endpunkt der aquatischen Standardtrias.
OECD 203
Akuter Fischtoxizitätstest, 96 h. Der dritte Endpunkt der aquatischen Trias und Bestandteil der höheren REACH-Mengenbänder.
Aquatic Acute / Chronic
Die CLP-Gefahrenkategorien für Gewässertoxizität, von Kategorie 1 (am gefährlichsten) abwärts, abgeleitet aus den Endpunkten Algen, Daphnien und Fisch zusammen mit Abbaubarkeit und Bioakkumulation.
PBT / vPvB
Persistent, bioakkumulierbar und toxisch beziehungsweise sehr persistent und sehr bioakkumulierbar. REACH-Bewertungskategorien für besorgniserregende Stoffe. Eine formale PBT-Bewertung ist ein definiertes Verfahren, keine Einschätzung.
Nominale und gemessene Konzentration
Ob eine berichtete Prüfkonzentration die zugegebene Menge ist oder die analytisch im Prüfgefäß bestätigte. Ergebnisse auf gemessener Basis können deutlich abweichen; die Bezugsbasis gehört angegeben.

Humantoxikologische Endpunkte

OECD 431
In-vitro-Test auf Hautkorrosion mit einem rekonstruierten humanen Epidermismodell. Unterscheidet korrosiv von nicht korrosiv und erlaubt die Unterkategorien 1A, 1B und 1C.
OECD 439
In-vitro-Test auf Hautreizung mit einem rekonstruierten humanen Epidermismodell. Ein Stoff kann nach OECD 431 nicht korrosiv und nach OECD 439 dennoch reizend sein.
OECD 442C (DPRA)
Direct Peptide Reactivity Assay: das erste Schlüsselereignis der Hautsensibilisierung, gemessen als Reaktivität gegenüber Modellpeptiden.
OECD 442D (KeratinoSens)
Keratinozyten-Aktivierungstest: das zweite Schlüsselereignis der Hautsensibilisierung, gemessen als Aktivierung des Nrf2-Signalwegs.
OECD 471 (Ames)
Bakterieller Rückmutationstest auf mutagenes Potenzial, durchgeführt in mehreren Salmonella-Stämmen mit und ohne metabolische Aktivierung (S9).
OECD 492 / 492B
In-vitro-Tests zur Augengefährdung mit rekonstruiertem hornhautähnlichem Epithel, zur Erkennung schwerer Augenschädigung oder Augenreizung.
Skin Corr. / Skin Irrit.
CLP-Klassen für Hautkorrosion und Hautreizung mit den Gefahrenhinweisen H314 und H315.
Skin Sens. 1
CLP-Klasse für hautsensibilisierende Stoffe, Gefahrenhinweis H317. Relevant für Leave-on- und Anwendungen mit häufigem Hautkontakt.
Eye Dam. 1
CLP-Klasse für schwere Augenschädigung, Gefahrenhinweis H318. Bei konzentrierten Tensiden verbreitet und über Handhabung und Verdünnung beherrschbar.

Regulatorische Rahmen

GLP
Gute Laborpraxis: ein formaler Qualitätsrahmen für nichtklinische Sicherheitsstudien. Daten sind erst GLP-Daten, wenn der Bericht finalisiert und von Studienleitung und Qualitätssicherung unterzeichnet ist. Ein abgeschlossenes Experiment ist noch kein GLP-Ergebnis.
CLP
Verordnung (EG) 1272/2008 über Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung. Sie definiert Gefahrenklassen, Kategorien und H-Sätze im Sicherheitsdatenblatt.
REACH
Verordnung (EG) 1907/2006 zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe. Die Mengenbänder bestimmen das Datenpaket, das vor dem Inverkehrbringen in der EU erforderlich ist.
Mengenband
Die Jahresmengenklassen nach REACH, etwa 1 bis 10, 10 bis 100 und 100 bis 1.000 Tonnen pro Jahr. Jedes höhere Band löst zusätzliche Studienanforderungen aus.
Federführender Registrant
Das Unternehmen, das das gemeinsame Registrierungsdossier für einen Stoff im Namen einer Gruppe von Registranten nach REACH einreicht.
BPR
Verordnung (EU) 528/2012 über Biozidprodukte. Ein antimikrobieller Wirkstoff muss für die betreffende Produktart genehmigt und sein Lieferant nach Artikel 95 gelistet sein, bevor ein Biozidprodukt in der EU in Verkehr gebracht werden darf.
Artikel-95-Liste
Die ECHA-Liste zugelassener Lieferanten biozider Wirkstoffe. Wer nicht gelistet ist, hat unabhängig von Wirksamkeitsdaten keinen Marktzugang für die betreffende Produktart.
EU-Detergenzienverordnung
Verordnung (EG) 648/2004, die Anforderungen an die Abbaubarkeit von Tensiden und die Kennzeichnung von Inhaltsstoffen in der EU festlegt. Sie fordert vollständigen Abbau von 60 % in 28 Tagen ohne 10-Tage-Fenster.
EN 1276
Europäischer quantitativer Suspensionsversuch zur bakteriziden Wirksamkeit. Es handelt sich um einen Test für fertige Desinfektionsmittel, nicht für isolierte Wirkstoffe; Ergebnisse sind einer Formulierung zuzuordnen.
MHK / MBK
Minimale Hemmkonzentration und minimale bakterizide Konzentration. Labormaße antimikrobieller Aktivität, die nicht mit produktbezogener Wirksamkeit nach Desinfektionsmittelnormen gleichzusetzen sind.
ESKAPE-Erreger
Eine Gruppe von sechs Bakterienarten, die für Antibiotikaresistenz bekannt sind und als Prüfpanel im antimikrobiellen Screening dienen.
SDB
Sicherheitsdatenblatt. Versioniert und datiert: Einstufungen können sich zwischen Versionen ändern, daher stets mit dem aktuellen Blatt des vorliegenden Typs arbeiten.
EUDR
Die EU-Entwaldungsverordnung, die für gelistete Rohstoffe einschließlich Palmöl eine Sorgfaltspflicht zur Entwaldungsfreiheit vorschreibt und Rückverfolgbarkeitspflichten in palmbasierten Lieferketten schafft.

Reifegrad, Qualität und Lieferung

TRL
Technology Readiness Level von 1 (Grundprinzipien) bis 9 (im Betrieb bewährt). TRL 4 bedeutet Validierung im Labor, TRL 6 die Demonstration in relevanter Umgebung.
Datenreife
Wie weit eine Zahl vom Experiment bis zum unterzeichneten Bericht gelangt ist: Screening, interne Messung, Messung durch Dritte, GLP in Finalisierung oder finales GLP. Davon hängt ab, wie die Zahl in einem Dossier verwendet werden darf.
Messung durch Dritte
Eine Zahl, die von einem unabhängigen Labor oder Industriepartner statt vom Lieferanten erzeugt wurde. Stärkere Evidenz als ein Hauswert, auch ohne GLP.
CoA
Analysenzertifikat: der chargenbezogene Nachweis der gemessenen Reinheit und der Spezifikationskonformität, der eine Lieferung begleitet.
TDS
Technisches Datenblatt: das typbezogene Dokument mit typischen Eigenschaften, Anwendungshinweisen und Handhabungsempfehlungen.
FTO
Freedom to operate: die Bewertung, dass eine Technologie ohne Verletzung fremder Patente vermarktet werden kann. Eine recherchebasierte Einschätzung mit Datum, keine dauerhafte Garantie.
Patentfamilie
Eine Gruppe von Anmeldungen und Erteilungen zur selben Erfindung in mehreren Jurisdiktionen. Familien statt Einzelanmeldungen zu zählen vermeidet aufgeblähte Portfolios.
Nebenstrom
Ein Material, das neben einem Hauptprodukt anfällt und oft als Abfall behandelt wird. Erneuerbare europäische Nebenströme können als chemischer Rohstoff dienen.
Scale-up
Die Überführung einer Synthese vom Labor in den Produktionsmaßstab. Chargengröße, Ausbeutestabilität und Verunreinigungsprofil sind die praktischen Fortschrittsmaße.

Letzte inhaltliche Prüfung: von Prof. Katalin Barta Weissert

Nachweis aus dem eigenen Portfolio: Graddaten von NEXOVANT, RHEOSYL und SYLVAXIS vergleichen

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